Gemeingut Boden

Teil 10 der Wissensserie zur Partnerschaft der österreichischen Klimabündnis-Gemeinden mit der FOIRN, Dachverband der indigenen Organisationen am Rio Negro.

Foto: Pieter-Jan van der Veld - ISA

Der Boden ist für indigene Völker die Grundlage des Lebens und damit ein wesentlicher Teil der indigenen Kosmovision, sowie des traditionellen Wissenssystems. Wegen seiner sozialen und kulturellen Funktion gilt er ebenso wie Wald und Gewässer als Gemeingut, dessen private Aneignung undenkbar ist. In weiterer Folge war - und ist es oft heute noch - unvorstellbar, dass Boden einen Preis bekommen kann und wie Ware gehandelt oder dass er rücksichtslos ausgebeutet und zerstört wird.

Seine Nutzung, wie auch die anderer natürlicher Ressourcen mittels Jagd, Fischerei, Sammeltätigkeiten und Landwirtschaft, unterliegt einem komplexen Regelwerk, das die Versorgung bestehender und zukünftiger Bevölkerungen sicherstellt. In der Vergangenheit entstand jedoch eine territoriale Aufteilung zwischen den indigenen Völkern bzw. zwischen den Clans eines Volkes, wobei die Aufrechterhaltung von Grenzen keine große Bedeutung hat. 

Land zum Überleben

Die indigenen Völker haben eine starke Bindung an ihre Territorien, wobei Mythen, Geistwesen und die Beziehungen zur Pflanzen- und Tierwelt eine wichtige Rolle spielen. Dadurch ist das kulturelle Überleben eines Volkes an den Verbleib in ihrem Gebiet gebunden. Eine Umsiedlung, wie es oft von PolitikerInnen oder Unternehmen gefordert wird um Zugang zu natürlichen Ressourcen zu erhalten, kommt einem Todesurteil gleich. Ein trauriges Beispiel ist die Situtation des Guarani-Kaiowá Volkes in Mato Grosso do Sul in Brasilien. Soja- und Rindfleischproduzenten besetzten deren Land und verhindern die Rückgabe. Dutzende Indigene wurden in den letzten Jahren ermordet, weil sie ihr Land einforderten und viele Jugendliche haben aufgrund der aussichtslosen Situation Selbstmord verübt.

Aus diesen Gründen kämpfen die indigenen Völker für die Anerkennung ihrer traditionellen Siedlungsgebiete als "Indigenes Territorium" um die kollektive Überlebensgrundlage zu sichern und es entsprechende der Tradition gemeinschaftlich zu nutzen.

Foto: Klimabündnis Österreich

"Terra Preta" verdanken wir den Indigenen

Für die landwirtschaftliche Nutzung sind viele Böden Amazoniens, vor allem am Rio Negro, eine riesige Herausforderung, weil sie extrem nährstoffarm und sauer sind. Das Jahrtausende alte Wissen der indigenen Völker über die angepasste Bewirtschaftung dieses labilen Ökosystems wurde lange ignoriert. Viele Studien der letzten Jahrzehnte haben jedoch gezeigt, dass die indigene Wald-Landwirtschaft zur Biodiversität beigetragen und die Fruchtbarkeit erhalten hat. Vor allem ihre Bodenverbesserungsmaßnahmen, die als "Terra Preta" (schwarze Erde) bekannt wurden, erweckten großes Interesse. 

Es wäre wünschenswert, dass das indigene Beispiel des respektvollen Umgangs mit dem Boden weite Verbreitung findet und weltweit zur Regel wird.

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