Elektromobilität - pro und contra

Wie wollen wir unsere Mobilität der Zukunft gestalten? Wie können wir die massiven Umweltschäden, die durch den Verkehrssektor verursacht werden, in den Griff bekommen? Häufig lautet die Antwort: Elektromobilität. Doch was ist dran an dieser - im wahrsten Sinne des Wortes vielversprechenden - Mobilitätsform? Das Klimabündnis Tirol bezieht Stellung:

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Der Verkehrssektor ist in Österreich mit einem Anteil von 28 % (2015) der größte Verursacher von Treibhausgasen und somit auch das größte Sorgenkind im Klimaschutz. Der Anstieg von Emissionen um ca. 60% seit 1990 zeigt, dass sich der Verkehrssektor trotz vieler Bestrebungen konträr zu den Klimaschutzzielen entwickelt. Um Ziele wie jene im Pariser Abkommen hinsichtlich der Dekarbonisierung oder die Energieautonomie in Tirol 2050 erreichen zu können, ist eine Intensivierung der Maßnahmen zur Förderung ressourcenschonender Mobilitätsformen wie der aktiven Mobilität und dem Öffentlichen Verkehr unumgänglich.

Derzeit gewinnen alternative Antriebe und biogene Kraftstoffe hinsichtlich der steigenden Umweltbelastungen durch konventionelle, mit fossilen Treibstoffen betriebene Kraftfahrzeuge, stark an Bedeutung. Durch staatliche Förderprogramme rückt dabei die Elektromobilität zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses: Die Österreichische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 mindestens 250.000 E-Fahrzeuge auf die Straßen zu bringen.

Der Umstieg auf die Elektromobilität wird finanziell unterstützt. Die Vorteile der Elektromobilität sind unbestritten: Im Vergleich zu Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben ist die Ökobilanz von E-Autos im gesamten Lebenszyklus hinsichtlich des Energieaufwands sowie der CO2-, Schadstoff- und Lärmemissionen besser. Aufgrund des Ökostromausbaus und des sich abzeichnenden technologischen Fortschritts ist zudem davon auszugehen, dass sich die Ergebnisse der Ökobilanzen weiterhin verbessern werden.

Die Elektromobilität kann allerdings nicht...

...die Verkehrsproblematiken in Bezug auf den immensen Flächenverbrauch und die damit verbundene Zerschneidung von Lebensräumen, Lärmemissionen durch Abrollgeräusche und die vergleichsweise hohe Unfallgefährdung im Straßenverkehr lösen. Die Elektromobilität ist dann eine zentrale Säule im Rahmen einer nachhaltigen Mobilitätsentwicklung, wenn sie mit einer Änderung des gesamten Mobilitätsverhaltens einhergeht. Derzeit ist in Österreich jede 14. Autofahrt kürzer als ein Kilometer, vier von zehn Autofahrten sind kürzer als fünf Kilometer. Distanzen, die auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können.

Der aktuell stattfindende Abbau von Rohstoffen, insbesondere für den Bau der Fahrzeugbatterien, ist aus ökologischer und sozialer Sicher äußerst bedenklich. Lithium, das für Fahrzeugbatterien benötigt wird, wird derzeit als Rohstoff der Zukunft gehandelt. Die größten Reserven befinden sich in Argentinien, Bolivien, Chile und in Tibet/China. Die Vorkommen liegen dabei in teils unberührten Ökosystemen, deren Reaktion auf den energieintensiven Rohstoffgewinn bisher kaum erforscht wurde. Eine steigende Nachfrage könnte zur Erschließung von Abbaugebieten in sensiblen Ökosystemen führen. Amnesty International hat zudem Menschenrechtsverletzungen im Rahmen des Kobalt-Abbaus in den Bergbaugebieten in der Demokratischen Republik Kongo nachgewiesen.

Klimabündnis Tirol, als Teil der globalen Partnerschaft zum Schutz des Weltklimas…

…fordert eine realistische Einschätzung der Chancen und Risiken durch den Ausbau der Elektromobilität. Die Elektromobilität ist im Zuge einer Änderung des Mobilitätsverhaltens eine zentrale Säule der nachhaltigen Mobilitätsentwicklung, kann allerdings nicht die derzeitigen Verkehrsprobleme wie bspw. den immensen Flächenverbrauch, die vergleichsweise hohe Unfallgefährdung und Lärmbelästigung lösen.

…fordert einen ökologisch, ökonomisch und sozial verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Betroffen ist hier der Abbau von Lithium für die Produktion der Batterien und den damit verbundenen Eingriffen in sensible Ökosysteme sowie die Wahrung der Rechte der ansässigen Bevölkerung.

…fordert die weitere Prüfung und Forschung im Bereich der alternativen Antriebssysteme.

…unterstützt Maßnahmen zur Förderung eines ressourcenschonenden, effizienten und intermodalen Verkehrssystems.

…unterstützt die Förderung des Öffentlichen Verkehrs und aktiver Mobilitätsformen, die zudem zu vermehrter Bewegung und Gesundheitsförderung beitragen. Damit einher geht die Forderung zur Schaffung entsprechender Infrastrukturen für intermodalen Verkehr, der die Kombination von Fuß- und Radwegen mit dem ÖPNV oder alternativen, umweltfreundlichen Verkehrsmitteln ermöglicht.

…unterstützt die Verbreitung und Nutzung von E-Carsharingsystemen, insbesondere zur Senkung des Motorisierungsgrades und Maßnahmen hinsichtlich einer einfachen und effizienten Kombination verschiedener Verkehrsmittel.

…lehnt Maßnahmen zur Bevorzugung von E-Fahrzeugen im Individualverkehr zulasten des Umweltverbundes (zu Fuß gehen, Radfahren, ÖPNV) ab. Dazu zählen auch Maßnahmen im Straßenverkehr wie bspw. kostenloses Parken und das Benützen der Busspuren.


Quellen:
Amt der Tiroler Landesregierung (2017): Aktionsprogramm E-Mobilität 2017-2020
Angerer, G. et al. (2009): Lithium für Zukunftstechnologien
Dummet, M. (2017): The Dark Side of Electric Cars: Exploitative Labor Practices
Günsberg, G., Fucik, J. (2017): Faktencheck E-Mobilität. Klima- und Energiefonds, VCÖ – Mobilität der Zukunft, Wien 2017.
Kutschera, U., Lichtblau, G., Pölz, W., Pötscher, F., Schreiber, H., Winter, R. (2014): Ökobilanz alternativer Antriebe – Elektrofahrzeuge im Vergleich
VCÖ (2017): VCÖ: Sinkender Besetzungsgrad: Nur mehr 116 Personen in 100 Autos

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