Was ist eigentlich die EU-Taxonomie?

EU-weite Kriterien für „grüne“ Investments – kann das funktionieren? Was die EU-Taxonomie will und wie Betriebe damit umgehen können.

ein glas mit geldmünzen aus dem eine pflanze wächst
Foto: Towfiqu Barbhuiya | unsplash

Ein Ziel des Europäischen Green Deals ist es, private Investitionen so zu lenken, dass der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft ermöglicht wird. Im Rahmen des Aktionsplans zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum wurde deshalb von der Europäischen Union die Taxonomie ist Leben gerufen – eine europaweit einheitliche Definition von „grünen“ Investitionen.

Die EU-Taxonomie legt fest, dass nur jene Wirtschaftstätigkeiten nachhaltig sind, die einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Umweltziele leisten. Gleichzeitig dürfen sie andere Umweltziele nicht erheblich beeinträchtigen. Aber was heißt das konkret?

Nach EU-Taxonomie wirtschaften Unternehmen dann „nachhaltig“, wenn sie mindestens eines der folgenden 6 Umwelt- und Klimaziele nachweisbar unterstützen, ohne dabei ein anderes dieser Ziele zu gefährden – die „Do No Significant Harm“-Regel.

  • Klimaschutz
  • Anpassung an den Klimawandel
  • Nachhaltige Nutzung und Schutz der Wasser- und Meeresressourcen
  • Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft
  • Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  • Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität und der Ökosysteme

Ein Beispiel: Stromerzeugung aus Wasserkraft gilt als nachhaltig. Als erneuerbare Energieform trägt sie wesentlich zum Klimaschutz bei. Gleichzeitig muss der Ausbau der Wasserkraft aber geltende Regelungen, wie etwa den Arten- und Umweltschutz, einhalten.

Die EU-Taxonomie verpflichtet ebenfalls zur Einhaltung sozialer und menschenrechtlicher Mindestkriterien.

Kritik an der EU-Taxonomie

Die EU-Taxonomie regelt also, was in Zukunft als ökologisch nachhaltiges Wirtschaften und Finanzieren bewertet wird. Sie will damit dazu beitragen, die Transparenz im Bereich „grüner“ Aktivitäten zu erhöhen und Greenwashing zu verhindern. Gleichzeitig kritisieren Umweltorganisationen, dass die EU-Definitionshoheit über die Frage, was nachhaltig ist und was nicht, wenig glaubwürdig sei.

Das beweist die Diskussion über den Vorschlag der EU-Kommission, Investitionen in Atomkraft und Erdgas als grüne, klimafreundliche Energiequellen einzustufen. Die Taxonomie berücksichtigt damit weder die, bei der Förderung von Erdgas entstehenden, indirekten und klimaschädlichen Emissionen (wie z.B. Methan), noch beschäftigt sie sich mit der Frage nach der Entsorgung des Atommülls.

Kritische Stimmen kommen auch aus der Politik, nicht zuletzt von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler: „Weder die Atomkraft noch das Verbrennen von fossilem Erdgas haben in der Taxonomie etwas verloren. Denn sie sind klima- und umweltschädlich und zerstören die Zukunft unserer Kinder."

Die EU-Taxonomie und mein Betrieb

Ab 2022 sind Finanzinstitute und große Unternehmen (mit über 500 Mitarbeiter:innen), die bereits der nicht-finanziellen Berichterstattung unterliegen, dazu verpflichtet, für die Taxonomie relevante Umsätze und Investitionen offenzulegen.

Ebenso ist die EU-Taxonomie Grundlage für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive), welche ab Dezember 2022 auch in Österreich in nationales Recht umgesetzt wird und ab 2023 für alle Unternehmen gilt, die zumindest zwei von drei Größenmerkmalen erfüllen:

  • Bilanzsumme über 20 Mio. Euro
  • Nettoumsatzerlöse über 40 Mio. Euro und/oder
  • durchschnittliche Beschäftigtenzahl von über 250 während des Geschäftsjahres

Außerdem müssen Unternehmen den Bericht extern prüfen lassen.

Was beinhaltet die Nachhaltigkeitsberichterstattung?

Unternehmen sind aufgefordert, Angaben zu folgenden Bereichen zu machen: Umwelt, Soziales, Arbeitnehmer:innen, Menschenrechte, Korruption und Bestechung. An den detaillierten Berichtsstandards wird derzeit noch gearbeitet. Unter anderem muss der Nachhaltigkeitsbericht jedenfalls konkrete Informationen zur Wertschöpfungskette enthalten.

Autorin: Anabel Heger

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