Mitglied des Monats: Zurück zur grünen Wurzel

Das greenroot hat sich in den letzten drei Jahren in Innsbruck einen Namen gemacht. „Verpackungsfrei einkaufen“ ist hier das Motto. Aber der Shop hat noch viel mehr zu bieten: Produkte in Bio-, Fairtrade- und Demeter-Qualität. Und einen Gründer, der mit ganzem Herzen bei der Sache ist. Wir haben Engin Dogan zum Gespräch getroffen.

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Hallo Engin, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung als „Mitglied des Monats“ beim Klimabündnis! Was ist das greenroot-Geheimnis?

Danke, wir freuen uns! greenroot bedeutet wörtlich übersetzt „die grüne Wurzel“. Und genau das möchten wir: zurück zu den Wurzeln. Verpackungsfrei einzukaufen ist ja wirklich nichts Neues, das war früher Standard. Wir haben es nur in den letzten Jahrzehnten verlernt.

Was unterscheidet einen Einkauf im greenroot von anderen?

Kundinnen und Kunden, die mit ihren eigenen Verpackungen – also Gläsern oder Dosen – zu uns kommen, werden belohnt. Man sollte seinen Einkauf also vorausplanen. Für alle anderen gibt es die Möglichkeit Behälter bei uns zu kaufen oder Papiertüten zu verwenden. Im Sortiment gibt es alles, was man braucht – nicht mehr und nicht weniger: Gemüse, Milchprodukte, Nudeln, Getreide, Hygieneprodukte. Und im coffeeshop nebenan bieten wir, neben Fairtrade-Kaffee, auch Snacks und Backwaren von Bäckereien aus der Region an, natürlich in Bio Qualität.

„Ja, bei uns gibt es Hautcreme, aber keine spezielle Anti-Aging-Creme.“

greenroot Gründer Engin Dogan, Foto: Klimabündnis Tirol
greenroot Gründer Engin Dogan, Foto: Klimabündnis Tirol

Was ist dir bei der Auswahl der Produkte wichtig?

Ich beurteile die Qualität von Produkten danach, wie nachhaltig sie sind. Bio steht dabei über Regionalität. Es bringt uns nicht weiter nur regionale Produkte zu kaufen, wenn bei deren Herstellung nicht auf die natürlichen Kreisläufe geachtet wird. Genauso ergibt es wenig Sinn, Produkte von weit weg zu kaufen, wenn wir sie bei uns vor der Haustüre in guter Qualität bekommen.

Was bedeutet Regionalität für dich?

Regionalität hat nichts mit Landesgrenzen zu tun, sondern mit dem tatsächlichen Transportweg. Genauso wie fairer Handel nicht unbedingt nur für den globalen Süden relevant ist. Zum Teil sind auch die Arbeitsbedingungen in Europa untragbar, da müssen wir gar nicht weit schauen. Für das greenroot ist das ein ständiges Abwägen und Recherchieren.

„Der Preis kann nicht die wichtigste Rolle spielen, sondern die ethischen Bedingungen.“

Spender mit Nüssen und Getreide im greenroot Shop. Foto: Klimabündnis Tirol
Nimm so viel du brauchst! "Unverpackt" heißt auch, dass man die Menge genau bestimmen kann. Foto: Klimabündnis Tirol

Nicht alle finden, dass Gütesiegel bei Lebensmitteln Sinn machen, wie siehst du das?

Ich finde Zertifizierungen und Siegel wichtig für die Kommunikation mit meiner Kundschaft. Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass drin ist, was draufsteht. Natürlich gibt es auch Siegel, die reines Green Washing betreiben, da muss man genau hinschauen. Das ärgert mich, wenn Konzerne Nachhaltigkeit als Marketing-Gag sehen und nicht wirklich ernst meinen.

Ist es teurer im greenroot einzukaufen?

Wenn man den wahren Wert der Produkte betrachtet sind sie nicht teurer. In unserem Fall muss man Äpfel mit Äpfeln vergleichen: Die vom Diskonter sind natürlich billiger, aber für die Qualität, die wir bieten, liegen wir genau beim Marktwert. Ich finde auch hier braucht es ein Umdenken. Genauso wie verpackungsfrei einkaufen früher ganz normal war, war es auch üblich, mehr für Lebensmittel auszugeben. Das hat sich alles verschoben und das ist nicht unbedingt gut.

Seit kurzem Klimabündnis-Betrieb: greenroot-Gründer Engin Dogan und Patricia Erler vom Klimabündnis Tirol. Foto: Klimabündnis Tirol
Seit kurzem Klimabündnis-Betrieb: greenroot-Gründer Engin Dogan und Patricia Erler vom Klimabündnis Tirol. Foto: Klimabündnis Tirol

Das greenroot zeigt, dass verpackungsfrei einkaufen möglich ist – aber wie sieht es mit verpackungsfreien Lieferungen aus?

Auch das geht. Die Kunst ist mit allen unseren Lieferanten – und das sind immerhin über 80 – ins Gespräch zu kommen und die beste Lösung zu finden. Der Kaffee wird zum Beispiel in Mehrweg-Eimern geliefert, das Joghurt in Pfandgläsern, die man bei uns zurückgeben kann und so weiter. Ca. ein Drittel unseres Sortiments bekommen wir über Direktvertrieb, das heißt wir kaufen direkt bei den Produzenten und Produzentinnen ein. Das macht die Kommunikation einfacher, die Logistik aber schwieriger.

Du hast gerade den KlimaCheck für Klimabündnis-Betriebe gemacht. Hattest du ein Aha-Erlebnis?

Ja. Ich beschäftige mich sehr viel mit Lebensmitteln, Konsum und Beschaffung. Aber beim Thema Energie habe ich viel dazu gelernt. Zum Beispiel, dass Ökostrom nicht gleich Ökostrom ist. Ich habe mich jetzt für einen Anbieter aus der Steiermark entschieden, der keinen Strom aus dem Ausland zukauft.

Danke für das Gespräch!

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