Nachhaltig einkaufen am Beispiel der Informations- und Kommunikationstechnologie

Welche Möglichkeiten Unternehmen haben, den Einkauf von IT und Elektrogeräten möglichst ressourcenschonend zu gestalten, war Thema unserer Workshopreihe für Klimabündnis-Betriebe, die im Herbst 2020 stattfand. Zusammengefasst hier die wichtigsten Erkenntnisse:

Adobe Stock/apichon_tee

Laut dem Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) entstehen bis zu 80% der CO2e-Emissionen eines Unternehmens im Rahmen der Beschaffung und deren Lieferketten. Diese Daten finden meist in der betrieblichen CO2e-Bilanz keinen Eingang. Im Wesentlichen handelt es sich um den Bereich des Einkaufs, von der Produktion der Rohstoffe über deren Verarbeitung bis hin zum Gebrauch und zur Entsorgung der nicht mehr benötigten Produkte.

Neben der Möglichkeit, sowohl die betriebseigene CO2e-Bilanz als auch jene der LieferantInnen zu optimieren, und so einen unvergleichbaren Mehrwert für den Klimaschutz zu leisten, ist Nachhaltigkeit im Einkauf auch unumgänglich, um die Einhaltung der Menschenrechte, Fairness, Sicherheit und Gesundheit entlang der Lieferketten zu garantieren.

Das Beispiel der Informations- und Kommunikationstechnologie

In unserer Workshopreihe wurde veranschaulicht, dass ein Verstoß gegen Menschenrechte spätestens ab der Stufe 3 der Lieferketten als sicher angenommen werden muss. Angaben hinsichtlich der Einhaltung von Arbeitsschutzbestimmungen sind insbesondere bei Produktion in China mehr als zweifelhaft. Darüber hinaus belegt eine immer stärker werdende Forschung wenig Ergiebigkeit bestehender Zertifikate.

Aber woran halten, wenn man sich auf Gütesiegel nicht verlassen kann? Wie kann man zu mehr Nachhaltigkeit beim Einkauf von Computer & Co beitragen?

Zunächst einmal informieren und den Grundsatz „Wenn ich nicht weiß, wo etwas herkommt, kann ich auf Nicht-Wissen plädieren“ über Bord werfen. Im Zeitalter einer rein marktwirtschaftlich begründeten und wenig zielgerichteten Digitalisierung von allem und jedem gilt es, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, wissen zu wollen, Fragen zu stellen, zu recherchieren.

Transparenz, so hat Peter Pawlicki von Electronics Watch, einer unabhängigen Monitoring-Organisation für den Bereich der öffentlichen Beschaffung, deutlich gemacht, ist der erste Schritt zur Nachhaltigkeit. Transparenz zu schaffen, indem man beispielsweise Angaben zur Nachhaltigkeit von HerstellerInnen, LieferantInnen und Produkten einfordert, Lebenszykluskosten in die Produktbewertungen einbezieht und Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien und Möglichkeiten zur Kontrolle versieht, ist grundlegend wichtig, um sinnvolle und wirkungsvolle Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit entwickeln zu können. 

Tipps für Unternehmen

  • Um Veränderungen anzustoßen, sollte man sich zusammentun. Eine Mitgliedschaft bei Electronics Watch ist für Unternehmen im Bereich der öffentlichen Beschaffung besonders empfehlenswert.
  • Auch kann man an die Expertise der Bundesbeschaffungsgesellschaft BBG und die Plattform für Nachhaltige Beschaffung (Nabe) anknüpfen. Dies gilt auch für kleinere bzw. für Unternehmen nicht öffentlicher Beschaffung. Auch sie können die geltenden Mindestkriterien der bestehenden Nabe Produktgruppen einsehen und für sich adaptieren.
  • Vor allem aber können sich Klimabündnis-Betriebe miteinander vernetzen und voneinander lernen. Sie können von Erfahrungen und dem Wissen der jeweils anderen profitieren, auch sie können ihren Einkauf bündeln und Ressourcen gemeinsam aufbieten, um Nachhaltigkeit in ihren Lieferketten einzufordern.
  • Und wenn es um den Einkauf in geringerem Umfang geht, so kann schon die bewusste Kaufentscheidung für eine „faire“ Maus von NagerIT oder für Refurbished-Geräte anstelle von neuen Produkten einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag darstellen.
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