Brief an Tirol von Andrä Stigger: Was sich Kinder wünschen

Gegenseitige Rücksichtnahme ist vermutlich der stärkste Motor beim Bewältigen einer Krise, ob Corona oder Klima.

Zwei Kinder gehen hand in Hand über eine Blumenheide
Foto: Annie Spratt, unsplash.com

Eine Klage von sechs Kindern aus Portugal hat kürzlich für Aufsehen gesorgt: Sie ziehen gegen 33 europäische Staaten vor Gericht mit dem Vorwurf, der mangelnde Einsatz gegen den Klimawandel zerstöre die Zukunftsperspektive junger Generationen. Ein Vorwurf, der von der „Fridays for Future“ Bewegung schon 2018 ins Spiel gebracht wurde.

Diese Jahreszeit bietet – nicht nur in Zeiten einer Pandemie – Gelegenheit zur Besinnung und Reflexion. Was wünschen sich unsere Kinder wirklich? Und: Was können wir aus der Gesundheitskrise lernen um eine noch größere Krise zu meistern: die Klimakrise?

Das Pariser Klimaabkommen besagt, dass wir den globalen Temperaturanstieg auf 1,5° halten müssen – im Alpenraum sind wir über dieses Ziel schon hinausgeschossen. „Global denken, lokal handeln“ -  ein Credo, an dem Organisationen wie das Klimabündnis Tirol seit Jahrzehnten festhalten und das sich in diesem Jahr so klar bestätigt hat wie noch nie. Ob Virus oder Klimawandel – um globale Herausforderungen zu meistern, sind große Kraftanstrengungen nötig, die von allen getragen werden.

Foto: Klimabündnis Tirol/Reuter

Paradoxerweise hat uns die Gesundheitskrise einem nachhaltigen Lebensstil nähergebracht: Wir legen kürzere Wege zurück, die am gesündesten zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigt werden. Wir beschränken uns beim Einkaufen auf das Notwendige und haben den Laden ums Eck wiederentdeckt. Im Homeoffice merken viele von uns, dass lange Reisen oft überflüssig sind.

Und wir haben gelernt, dass wir aufeinander schauen müssen, um resilient – also krisensicher – zu sein.

„Global denken, lokal handeln“ gilt auch beim Einkauf von Lebensmittel. Denn auch wenn es momentan so wirkt, als wären wir isoliert vom Rest der Welt, kommen wir fast täglich mit Konsumgütern in Kontakt, die weite Strecken zurückgelegt haben, um bei uns am Tisch zu laden.

Aber auch der Weg vom Supermarkt nach Hause – die sogenannte letzte Meile – fällt stark ins Gewicht. Einige Studien sprechen hier sogar vom größten Anteil an Emissionen in der ganzen Lieferkette. Wer also zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkauft, tut nicht nur dem eigenen Körper etwas Gutes, sondern auch unserer Umwelt.

Wir haben im letzten Jahr gelernt, aufeinander zu schauen. Gegenseitige Rücksichtnahme – die Sorge um unsere Mitmenschen und unsere Natur – ist wahrscheinlich der stärkste Motor beim Bewältigen einer Krise, ob Corona oder Klima.

Während wir aktuell besonders darauf achten, das Leben älterer Menschen zu schützen, bringt uns der Klimawandel dazu in die Zukunft zu blicken: Das Leben kommender Generationen steht auf dem Spiel. Hören wir auf die Wünsche unserer Kinder! Um ihnen und ihren Nachkommen – nicht nur in Tirol, sondern weltweit – einen intakten Planeten zu hinterlassen, müssen wir jetzt handeln.

Andrä Stigger ist seit 2016 Geschäftsführer von Klimabündnis Tirol.

Brief an Tirol, erschienen am 6. Dezember 2020 in der Tiroler Tageszeitung
Brief an Tirol, erschienen am 6. Dezember 2020 in der Tiroler Tageszeitung
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