Klimaneutralität - Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

Im Rahmen des Green Deals will die EU bis 2050 klimaneutral sein. Österreich sogar schon bis 2040. Und auch immer mehr Unternehmen schreiben sich Klimaneutralität auf die Fahnen. Zuletzt ließ damit das Skigebiet Ischgl aufhorchen. Was dahintersteckt lesen Sie in unserem Kommentar.

Foto: unsplash.com/Becca Lavin

Klimaneutralität bedeutet, dass durch den Betrieb und dessen Tätigkeiten keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, dass „unterm Strich“ eine Null übrigbleibt. Das sollte idealerweise durch den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger und konsequente Kreislaufwirtschaft erfolgen.

Ein - nur scheinbar einfacherer - Weg zur Klimaneutralität führt über die Kompensation der überschüssigen CO2-Emissionen. Das heißt, dass der Betrieb die Treibhausgase nicht selbst, sondern über Dritte einspart. In vielen Fällen sind das Organisationen, die Umweltschutzprojekte in Ländern des globalen Südens finanzieren, zum Beispiel zur Wiederaufforstung oder zum Ersatz von Holzöfen durch Solarkocher.

Inwiefern diese Projekte tatsächlich zur Netto-Einsparung von CO2-Emissionen beitragen, ist unklar. Doch Klimaneutralität durch Kompensation ist auch deshalb kritisch zu betrachten, weil der Fokus vom eigenen Tun zum „bloßen“ Bezahlen verlagert wird. Verantwortung wird verstärkt vom eigenen Unternehmen zum Kompensationsanbieter, vom globalen Norden in den globalen Süden, von den Reichen zu den Armen verschoben. Damit bleibt das Problem der Klima-Ungerechtigkeit bestehen.

Der Antrieb, die eigenen Emissionen zu reduzieren, wird durch den Versuch, bei anderen einen Ausgleich zu suchen, gebremst. Dadurch verzögert sich das Erreichen der internationalen Klimaziele: es ist ein Spiel auf Zeit, die wir laut ExpertInnen nicht haben.

Verantwortung für andere und die Zukunft zu übernehmen bedeutet, Nachhaltigkeit ganzheitlich zu denken. Nichts spricht gegen die finanzielle Unterstützung von Umweltschutzprojekten. Auch um jene Emissionen zu kompensieren, die durch den Betrieb nicht vermieden werden können. Das kann aber nur einer von vielen Schritten sein, die ein Unternehmen auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft setzt.

Programme, wie der KlimaCheck zum Klimabündnis-Betrieb, setzen in erster Linie auf die Vermeidung, nicht die Kompensation von Emissionen. Es gilt, Verantwortung zu übernehmen, indem primär am eigenen Standort, im eigenen Handeln Veränderungen erfolgen.

Dagmar Rubatscher und Lisa Prazeller

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