Trendbegriff „Kreislaufwirtschaft“ – was ist das überhaupt?

Auf politischer Ebene ist der Begriff Kreislaufwirtschaft derzeit vielerorts präsent: In den UN Nachhaltigkeitszielen beschäftig sich das SDG 12 mit nachhaltigem Konsum und Produktion. Und im März 2020 wurde der EU Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft veröffentlicht, der nun auf Länderebene umgesetzt wird – darunter fallen beispielsweise das Plastiksackerlverbot oder das Plastikpfand.

Foto: unsplash.com/joel-jasmin-forestbird

Aber was ist Kreislaufwirtschaft überhaupt?

Vorbild für die Kreislaufwirtschaft ist das biologische Ökosystem, in dem Stoffkreisläufe idealerweise geschlossen sind. Es wird also so viel an Nährstoffen wieder rückgeführt, wie entnommen werden. Ebenso sollen die Lebenswege von Produkten und Wertstoffen nicht mehr linear, von der Produktion zur Entsorgung, sondern zirkulär, im Sinne einer Wieder-, Weiter- und Umverwertung von Produkten gedacht werden.

Recycling, das Rückführen von Wertstoffen in den Stoffzyklus, macht derzeit nur 9% der Materialflüsse in Österreich aus.

Damit schützt die Kreislaufwirtschaft Klima und Ökosysteme: 50% der gesamten Treibhausgasemissionen und mehr als 90% des Verlusts an biologischer Vielfalt sowie Wasserstress sind auf die Gewinnung von Rohstoffen und deren Verarbeitung zurückzuführen (circularfutures.at). Außerdem verbrauchen wir viel mehr Ressourcen als wieder nachproduziert werden können, oder überhaupt vorhanden sind.

Wollen wir Klimaneutralität erreichen, dann ist Kreislaufwirtschaft dafür unbedingt notwendig.

Quelle: Ellen McArthur Foundation

Kreislaufwirtschaft beginnt beim Produktdesign

... bei den Überlegungen aus welchen Materialien ein Produkt besteht, wie diese verbunden und wieder trennbar sind, und wie ein Produkt möglichst lange modular und vielfältig verwendet werden kann.

Das betrifft: Reparatur und Wartung, Wieder- und Weiterverwertung des ganzen Produktes oder einzelner Teile. Die modulare Aufwertung ("Refurbishment") und dann erst das Recycling, um so den Abbau von neuen Rohstoffen aber auch die Verbrennung von Wertstoffen zu verringern

6 Designprinzipien, die ein Produkt kreislauffähig machen

  1. zerlegbare & trennbare Stoffe
  2. ersetzbare Bauteile
  3. lange Lebensdauer
  4. Reparierbarkeit
  5. Mehrfachnutzung in verschiedenen Qualitätsstufen
  6. Giftfreiheit

Kreislaufwirtschaft: Neue Geschäftsmodelle

Die Anforderungen an die Produkte allein klingen erstmal anspruchsvoll, und werfen die Frage auf, ob sich das überhaupt wirtschaftlich lohnen kann. Wo ist der Business Case? Tatsächlich lohnt es sich wirtschaftlich nicht, allein in die Kreislauffähigkeit eines Produktes zu investieren. Das große Potential in der Kreislauffähigkeit von Produkten liegt in der Schaffung neuer Geschäftsmodelle: Leasing, Vermietung, das Produkt als Dienstleistung, Rückkauf oder gesicherter Rückkauf durch Gutschriften (i.e. Pfand).

Der Restwert des Produktes, welches für einen möglichst langen Lebenszyklus designt ist, bleibt also beim Hersteller des Produktes, der das Produkt nur auf Zeit verkauft. Für den Kunden wiederum ist eine Dienstleistung meist günstiger und bequemer als die „Total Costs of Ownership“, also die Kosten die entlang des gesamten Lebensweges entstehen.

Kommentar von Nora Els, Beraterin für Klimabündnis-Betriebe

Workshopreihe 2021 für Klimabündnis-Betriebe zu Kreislaufwirtschaft:

  • 22. April 2021: Ökonomische Potentiale von Abfall erheben und vermindern
    Dustin Klüger, IKB
  • Mai 2021: Abfallwirtschaftskonzept selbst erstellen
    Josef Hausberger, ATM
  • Sommer 2021: Ressourcencheck für Unternehmen
    Stenum Reseach, Ressourcenforum Austria
  • Herbst 2021: Ecodesign & Design Thinking

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