Leutascherhof: Über die Zukunft des Tourismus

Der Leutascherhof ist unser Mitglied des Monats. Im Interview sprechen wir mit Inhaber Christian Wandl, Vorstandsmitglied des Tourismusverbands Olympiaregion Seefeld, über sein Zukunftsbild des Tiroler Tourismus.

Mitglied des Monats Button

Hallo Christian, wie geht es euch mit der aktuellen Pandemie-Situation?

Dank der Förderungen geht es uns gut. Wir nutzen die gewonnene Zeit um gesünder und gscheiter aus der Krise herauszukommen – als Familie, als Betrieb und als Region. Sorgen machen ich mir natürlich um meine MitarbeiterInnen, die zum Teil in Kurzarbeit sind und zum Teil in einen anderen Job gewechselt sind. Ich fürchte, dass viele die Branche verlassen, weil sich der Tourismus als nicht krisensicher herausgestellt hat.

Christian und Eveline Wandl
Christian und Eveline Wandl, Foto: Jürgen Schmücking

Wie müsste sich der Tourismus verändern um krisensicher zu sein?

Der Tourismus in Tirol entwickelt sich immer mehr weg von den Menschen und der Natur. Es braucht mehr Qualität statt Quantität und weniger Lippenbekenntnisse. Ich sehe im nachhaltigen Wirtschaften eine Chance, zukunftsfähig und krisensicher zu bleiben.

Wie stellst du dir nachhaltiges Wirtschaften konkret vor?

Ein Arbeiten im Einklang mit der Natur und mit den Menschen. Zum einen müssen wir in Tirol mehr auf Bio setzen – das schützt den Boden und die Artenvielfalt. Zum anderen müssen wir auf die Region achten, zum Beispiel auf unsere Bauern und Bäuerinnen, die unsere Kulturlandschaft erhalten.

"Kein Tourist kommt nur wegen dem Leutascherhof zu uns, sondern wegen der schönen Umgebung."

Frau im Garten am Buffet spricht mit Koch.
Foto: Leutascherhof

Und wie sehen das deine Kolleginnen und Kollegen in der Region?

Als Tourismusverband haben wir hier ein gutes Einverständnis, aber noch einen langen Weg vor uns. Zum Beispiel möchten wir, dass jährlich zehn Unternehmen in das Netzwerk der Klimabündnis-Betriebe einsteigen. Wir diskutieren aber auch über Ökostrom, klimafitte Waldbewirtschaftung und wie wir unsere Mobilität auf der sogenannten „letzten Meile“ verbessern können.

Das klingt gut. Warum machen das nicht alle so?

Ich denke die Hürden liegen immer noch in den Köpfen der Verantwortlichen. Der finanzielle Druck ist für viele sehr hoch, das ganze System basiert auf Wachstum. Hier braucht es einen Wandel im Bewusstsein.

"Wir müssen verstehen, dass nachhaltiges Wirtschaften langfristig Geld spart und nicht kostet."

Wie siehst du deine Rolle in diesem Wandel?

Im Leutascherhof haben wir über die Jahre viel Expertise zum Thema Nachhaltigkeit aufgebaut. Dieses Wissen gebe ich gerne weiter. Das fängt ganz klein an: Zum Beispiel arbeite ich gerade an einer Richtlinie für klimafreundliches Toilettenpapier für Hotels. Aber natürlich geht es auch um Energie, Beschaffung, Mobilität. Wenn wir mehr Lebensqualität für uns Einheimische schaffen, sind wir auch als Urlaubsort attraktiver.

Stichwort Bio – wie schätzt du die Lage in Tirol ein?

Es ärgert mich, dass in Tirol immer nur von Regionalität und kaum von Bio gesprochen wird. Als Bio-Hotel ist es uns wichtig, die beiden Themen zusammenzudenken. Aber im Moment ist es für mich nicht einmal möglich, Bio-Milch aus Tirol zu bekommen. Hier gibt es großen Nachholbedarf. Bio-Eigenmarken sind aber nicht die Lösung, weil sie die Bauernhöfe wieder unter Druck setzen, anstatt kleinstrukturierte Landwirtschaft zu fördern.

Wenn du ein Jahr in die Zukunft schaust, was stellst du dir vor?

Ich denke, dass in einem Jahr wieder alles beim Alten ist. Wir sind ein gesundes Unternehmen und werden Corona überstehen. Sobald wir dürfen, geht’s los. Aber ich hoffe, dass wir als Tourismusbranche klüger aus der Krise herausgehen. Mein persönliches Ziel ist es, von einer 65-Stunden-Woche zu einer vernünftigen 5-Tage-Woche zu kommen.

Hotel Leutascherhof im Winter
Foto: Leutascherhof

Zum Leutascherhof

Das Familienunternehmen von Christian und Eveline Wandl setzt seit über 10 Jahren auf Bio-Beschaffung bei Lebensmitteln, Kosmetik und Reinigungsprodukten. Außerdem ist der Betrieb seit 2016 Gemeinwohl-bilanziert und arbeitet seit 2019 klimaneutral.

nach oben

X

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen