Bier aus dem Weinglas

Monika Atzl-Klingler ist Biersommelière, Volksschullehrerin, Unternehmerin und wohnt im ersten Erdhügelhaus Österreichs. Nicht nur in ihrem Klimabündnis-Betrieb in Kramsach lebt sie Nachhaltigkeit bis ins Detail. Wir haben unser „Mitglied des Monats“ zum Interview gebeten.

Mitglied des Monats Button

Liebe Monika, in deinem kleinen Laden in Kramsach gibt es ausgewählte Craft Biere und kreative Upcycling-Artikel. Kann man sagen, dass du dort dein Hobby zum Beruf gemacht hast?

Ja das kann man so sagen. Ich hatte immer schon eine Vorliebe für gutes Bier, mit Sekt & Co. konnte ich nicht so viel anfangen. Aber es hat mich gestört, dass bei Bier oft Quantität vor Qualität kommt. Die Biere in meiner Bieraterie sind ausgewählte, edle Tropfen, die man am besten aus schönen Gläsern trinkt.

Und was macht für dich ein gutes Bier aus?

Wenn ich es mit einem guten Freund genießen kann… Und: Ein gutes Bier braucht Zeit und Kreativität beim Brauen. Glücklicherweise gibt es zahlreiche innovative und nachhaltige Brauereien in unserer Umgebung, die lokale Rohstoffe verwenden – da müssen wir nicht in die Ferne schweifen. Regionalität ist ein wichtiges Kriterium für mich.

Monika Atzl-Klingler mit einem Bierglas in der Hand
Foto: Maximilian Köck

2015 war die Bieraterie der erste Tiroler Bier-Shop. Wie geht es dir als Frau in dieser männlich dominierten Branche?

Es war wirklich für viele eine Überraschung, dass ich mich als Frau so viel mit Bier beschäftige. Aber die Reaktionen waren durchwegs positiv, vor allem die Brauer sind sehr herzliche Leute. Am meisten hat sich aber mein Mann gefreut, als ich die Ausbildung zur Biersommelière gemacht habe, weil wir die Liebe zum Bier teilen.

Das Schild der Bieraterie
Foto: Maximilian Köck

Mit der Bieraterie und deinem Upcycling-Unternehmen „Alt wie neu“ bist du unser kleinster Klimabündnis-Betrieb. Wie sieht dein Wirkungsbereich aus, wo willst du etwas verändern?

Nachhaltig zu leben und zu wirtschaften ist für mich kein Zusatzaufwand, sondern eine Einstellung und oft ein Mehrwert. Meine Upcycling-Projekte sind ein gutes Beispiel dafür: Nähen macht mir Spaß und am meisten wenn ich dabei alte Materialien verwerten kann. So hab ich zum Beispiel aus meiner Lieblingsjeans schöne Taschen genäht, die in meinem Laden erhältlich sind. Ich versuche einfach in jedem Lebensbereich einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen.

Hauptberuflich bist du Volksschullehrerin in der VS Kramsach, ebenfalls eine Klimabündnis-Schule. Wie möchtest du Klimaschutz in der Volksschule leben?

Ich merke, dass die Kinder sehr interessiert am Klima-Thema sind und oft den Erwachsenen ein paar Schritte voraus. Das war in meiner Kindheit schon so beim Mülltrennen. Kinder fordern einen vernünftigen Umgang mit unserem Planeten, abseits von jedem Anspruch auf Profit. Als Lehrerin kann ich das nur unterstützen und den Kindern Möglichkeiten für eine gute Zukunft aufzeigen.

Das Erdhügelhaus
Foto: Atzl-Klingler

Ein schönes Schlusswort. Aber möchtest du uns noch von deinem besonderen Haus erzählen?

Gern. Mein Mann und ich haben uns vor ein paar Jahren einen Traum erfüllt und gemeinsam mit einem Architekturbüro aus Stuttgart ein Erdhügelhaus gebaut – in dieser Art das erste in Österreich. Im Grunde ist es ein Holzhaus, das mit Erde bedeckt und bepflanzt ist. Die Dämmung ist ideal und gewärmt wird es durch die Sonne und einen Holzofen. Viele haben zu uns gesagt „wow, seids‘ ihr mutig“, aber für uns war das nur ein logischer Schritt. Wir wollten nicht ein Haus bauen, wie es immer schon gebaut wurde, sondern wie es uns richtig vorkommt.

Danke für das Gespräch!

 


Tipp zum Anhören: Monika Atzl-Klingler ist nicht nur Biersommelière, Volksschullehrerin und Klimabündnis-Partnerin, sondern auch Musikerin. Mit ihrer Mundart-Band Fadlviera tritt sie immer wieder in Tirol auf.

nach oben

X

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen