Mitglied des Monats: Vom umweltfreundlichen Leben im Schloss

Seit kurzem ist das AufBauWerk Nikolsdorf Klimabündnis-Betrieb – und unser Mitglied des Monats. Jugendliche mit Förderbedarf werden in verschiedensten Bereichen ausgebildet, und so auf ein selbstständiges Leben vorbereitet. Schloss Lengberg hält auch einige historische Überraschungen bereit. So förderten Sanierungsarbeiten spektakuläre Funde zu Tage, die sogar in die Geschichtsbücher der Bekleidung eingingen.

Mitglied des Monats Button

Das AufBauWerk in Osttirol hat sich an einem besonders schönen Flecken Erde niedergelassen. Im Schloss Lengberg, das mit einer herrlichen Aussicht über der Gemeinde Nikolsdorf thront, werden 30 Jugendliche mit Förderbedarf betreut. 15 von ihnen übernachten auch von Montag bis Freitag. Das Leistungsangebot des AufBauWerks umfasst verschiedenste Schulungen und Begleitungen rund um das Thema Arbeit und Beruf.

Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, an Praxis- und Schulungsmodulen teilzunehmen und im Zuge dessen beispielsweise Computerkurse und Schulabschlüsse zu absolvieren. Außerdem arbeiten sie in der Landschaftspflege, in der Küche, im Housekeeping oder in der Werkstatt mit und nehmen an Einkaufstrainings bei regionalen Bauern und in lokalen Geschäften teil. So kann der Weg in ein selbstständiges Leben und Arbeiten geebnet werden.

Fledermaus im Dachstuhl
© AufBauWerk Nikolsdorf

Sanierungsarbeiten mit Überraschungen

Das geschichtsträchtige Schloss Lengberg wurde im 12. Jahrhundert erbaut und befindet sich seit 1956 im Besitz des Landes Tirol. 2008 wurde eine dringend notwendige Generalsanierung durchgeführt. Keine leichte Aufgabe, wenn Denkmalschutz und moderne Gebäude- und Energiestandards unter einen Hut gebracht werden müssen.

Vor allem die Sanierung des Dachstuhls erwies sich als eine besondere Herausforderung, da seine tierischen Bewohner keinesfalls gestört werden durften. Das historische Gebälk des Schlosses dient nämlich der seltenen und geschützten Fledermausart „Kleine Hufeisennase“ als Sommerresidenz. So mussten die Sanierungsarbeiten im Winter stattfinden und Einflugschneisen für die fliegenden Untermieter bestehen bleiben. Diesen gefällt der neue Dachstuhl offenbar, denn sie sind nach der Sanierung zurückgekehrt und vermehren sich sogar. Dies ist eines der wenigen Beispiele, bei dem eine solche Sanierung unter Berücksichtigung des Artenschutzes funktioniert hat.

Schloss Lengberg
© AufBauWerk Nikolsdorf

Als wäre diese Sanierung nicht schon spektakulär genug, brachten die Arbeiten auch noch Funde zu Tage, die sogar in die Geschichtsbücher über die Bekleidung eingingen. So wurden neben einer mittelalterlichen Einhandflöte auch Münzen, Spielkarten, diverse Gläser, Keramiken sowie Reste von historischen Kleidungsstücken gefunden. Mehrere mittels der C14-Methode in das 15. Jahrhundert datierbare Büstenhalter belegen die Existenz von BHs lange vor der bisher angenommenen Erfindung im 19. Jahrhundert.

„Unser Wunsch ist es, dass diese spektakulären Fundstücke zukünftig im Rahmen einer Dauerausstellung im Schloss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Jugendlichen werden Führungen gestalten und bei Veranstaltungen mitarbeiten. So eröffnet sich ein weiteres spannendes Arbeitsfeld für die jungen Menschen“, zeigt sich Hildegard Goller, die Leiterin des Aufbauwerks Nikolsdorf, begeistert.

Mädchen im Garten mit einem Kürbis in der Hand
© AufBauWerk Nikolsdorf

Gestärktes Umweltbewusstsein

Der Umwelt- und Klimaschutzgedanke ist im Aufbauwerk stark verankert. So sind die Standorte in Innsbruck und Volders bereits Partner des Klimabündnis-Netzwerks.

Der weitläufige Schlossgarten wird nach den Prinzipien von „Natur im Garten“ bewirtschaftet. In den Gemüse- und Kräuterbeeten werden keine Spritzmittel verwendet und auf naturnahe Bewirtschaftung geachtet. Über hundert Bäume und Hecken bieten einen vielfältigen Lebensraum für Vögel und Insekten.

„Das Wohlergehen unserer jungen Klient:innen steht im Mittelpunkt unserer Arbeit. Eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen auf unserem Planeten ist nur möglich, wenn wir einen schonenden Umgang mit unserer Natur und unseren Ressourcen pflegen. Das Klimabündnis hat hier unseren Blick auf die unterschiedlichen Bereiche unserer täglichen Arbeit noch einmal geschärft,“ sagt Hildegard Goller.

Die Mobilität spielt eine wichtige Rolle im ländlichen Raum. Für Dienstwege werden zwei E-Pkw angeschafft. Auch der Transportbus soll in den nächsten Jahren auf einen elektrischen Antrieb umgestellt werden. Strom für die E-Autos wird zukünftig über eine Photovoltaikanlage produziert, die auf einem neuen Wohngebäude im Bereich des Parkplatzes errichtet wird.

nach oben

X

Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich mit dem Einsatz von Cookies einverstanden. Mehr Informationen